Ist der Koran ein Buch  der Gewalt? (ungekürzt)

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Heute Morgen am 13.7. ist mein Text „Ist der Koran ein Buch der Gewalt?“ in der Cicero erschienen. Darin versuche ich zu zeigen, dass der Koran in Fragen der Gewalt auf verschiedene Weisen ausgelegt werden kann. Ich war dabei recht gründlich, verständlicherweise hat die Cicero den Text aber gekürzt. Da ich aber vermeiden möchte Islamhassern Vorlagen zu geben, stelle ich mit der freundlichen Erlaubnis der Cicero hier auch noch die ungekürzte Version online.

Islam und Fußball haben eines gemeinsam: Die vielen Experten. Den Fußball macht das gerade interessant. Islamkritik dagegen, die auf Halbwissen beruht, ist ein Problem, weil die darin enthaltenen Lücken und Ungenauigkeiten mit Projektionen gefüllt werden –düstere Bilder, die mehr mit uns selbst zu tun haben, als mit der Sache selbst. Beispielhaft zeigt sich das in einem Youtube-Video, in dem ein Passant sich vor einen Stand irgendwo in Deutschland stellt, an dem Koranausgaben verteilt wurden. Der Passant wiederholt  immer wieder ganz erregt, dass der Koran „das Buch des Bösen“ sei. „Das“ Buch des Bösen, heißt, es ist das Böse schlechthin. 

 

Es gibt nichts Schlimmeres. Ähnlich sieht es Integrationspreisträgerin Heidemarie Mund am Rande einer Pegida-Demonstration, wo sie wörtlich behauptet, der Koran sei „gleichzusetzen mit dem Hitler sein ‚Mein Kampf‘”. Wer Koran und Gewalt googlet, findet hunderte Artikel und Blogs, die mit viel Eifer behaupten, der Koran sei ein Buch der Gewalt. Die Vorstellung, der Islam fordere per se Gewalt ein, er sei gar faschistisch, ist weit verbreitet. 57 Prozent der Deutschen sehen ihn als Bedrohung an.

 

Marginalisierung von Muslimen

Prinzipiell ist kritisches Denken sehr zu begrüßen. Selbstverständlich gilt das auch in Bezug auf den Islam. Wie der Politikwissenschaftler Floris Biskamp ausführt, kann Kritik eine befreiende Wirkung haben, denn sie kann dazu beitragen, dass wir unsere Einstellungen hinterfragen, um diejenigen dieser Einstellungen loszuwerden, die letztendlich menschenfeindlich sind. Das gilt aber nur unter bestimmten Umständen. Manchmal bewirkt Kritik das Gegenteil: Eine Gruppe oder ein Mensch wird marginalisiert und bedrängt.

Kritik“ an anderen kann dazu dienen, die eigene Gruppe zu vereinen und Selbstkritik abzuwehren. Als schlecht gelten dann immer die Anderen. Sie sind das Schwarz, das unser Weiß heller scheinen lässt. Und die Idee, der Islam sei eine Religion der Gewalt, ob sie wahr ist oder nicht, erzeugt eine tiefgreifende und messbare Stigmatisierung der Muslime oder derjenigen, die muslimisiert, die also überhaupt erst in die Rolle des muslimisch seins gedrängt werden. Männlichen Muslimen wird so unterstellt, dass sie rückständig und aggressiv seien, Musliminnen hätten angeblich kein Rückgrat und die würden die Logik ihrer Unterdrücker verinnerlichen. An dieser Marginalisierung ändert auch die Behauptung nichts, die Kritik des Islam könne getrennt von der Kritik an Muslimen gedacht werden, wie auch der Champion der deutschen Islamkritik (und der ungenauen Analyse) Hamad Abdel-Samad argumentiert. Analog ließe sich dann auch sagen, wer gegen Faschismus sei, müsse Faschisten nicht unbedingt ablehnen. Das kann nicht überzeugen.

 

Wenden Muslime öfter Gewalt an?

 

Weltweit leben 1,5 Milliarden Muslime. Ein Viertel der Menschheit. Würden diese alle einer gewaltverherrlichenden Ideologie folgen, wäre unsere Welt eine andere. Sie stünde vollständig in Flammen. Und das tut sie, trotz allem Bauchgefühl nicht. Das beantwortet allerdings nicht die Frage, ob Muslime öfter in gewalttätige Konflikte sind als Angehörige anderer Religionen.

Der Forscher Jonathan Fox untersuchte diese Frage an Hand von Daten aus dem Zeitraum von 1965 bis 2001. Fox stellt fest, dass Muslime gerade seit den 1990ern durchschnittlich öfter an Konflikten beteiligt sind. Allerdings sind diese Zahlen deutlich weniger eindeutig, wie gemeinhin angenommen wird. In absoluten Zahlen sind außerdem christliche Gruppen öfter in bewaffnete Konflikte verwickelt als Muslime. Auffällig seien außerdem starke Schwankungen der Gewalt. Das Problem ist, dass sehr viele Faktoren eine Rolle spielen: Geopolitik, Wirtschaft, Geschichte, soziale Faktoren. Auch Fox stellt fest, dass Religion alleine diese Unterschiede nicht annähernd erklären könnten.

Auch lässt sich feststellen, dass der Jihadismus Interpretationen der islamischen Schriften folgt, die im 20ten Jahrhundert unter anderem vom Theoretiker Sayyid Qutb entwickelt wurden  und einen massiven Bruch mit den bisherigen islamischen Traditionen bedeutet.  Totalitäre Gruppen wie Daesh oder Boko Haram finden hier auch ihre theoretischen Ursprünge.

Das Ganze ist also deutlich komplexer, als es vielen Islamkritikern scheint. In Deutschland leben über vier Millionen Muslime. Dennoch ist die Anzahl der Gewaltakte, die durch Rechtsextreme verübt wurden, um ein Vielfaches höher als die durch Islamisten. Das soll nichts relativieren. Die Verbrechen durch totalitäre islamistische Gruppen sind besonders blutrünstig. Diese müssen bekämpft werden, das steht nicht in Frage. In Frage steht auch nicht, dass manche Auslegungen des Islam sowohl sehr wirkmächtig wie autoritär und teils menschenfeindlich sind. Der Iran und Saudi-Arabien sind dafür leuchtende Beispiele. Fakt ist aber auch, dass sich derzeit eben nicht ein Großteil der Muslime auf einer Mission befindet, nach Faschistenart die Welt mit Gewalt und Gleichschaltung zu überziehen. So stark kann die brutalisierende Kraft des Islam also nicht sein. Der Vorwurf der übermäßigen Vereinfachung und Faktenblindheit kann sich aber auch auf die Gegenseite richten: Dazu gehören Autoren wie Jürgen Todenhöfer, die den Islam völlig unkritisch sehen und ihn idealisieren.

 

Was sagt der Koran dazu?

Das Gegenmittel für Halbwissen ist Präzision. Was zeigt ein genauer Blick in den Koran, der zentralen Schrift des Islam? Wenn der Koran ein Manifest der Gewalt ist, müssten sich doch darin eindeutige, nicht verhandelbare Worte finden lassen.

Beispielsweise heißt es in Sure 9 Vers 5: „Und bekämpft die Polytheisten, wo ihr sie findet!“. Sure 2 Vers 216 besagt: „Es ist euch vorgeschrieben, zu kämpfen, obwohl es euch zuwider ist.” Auch Sure 2 Vers 191 fordert: “Und tötet sie, wo immer ihr auf sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben, denn Verfolgung ist schlimmer als Töten!”

Diese Sätze scheinen eindeutig.

Der islamische Mainstream argumentiert wie die Journalistin Lisa J. Abid kontextualisierend: Diese Suren stammten allesamt aus der medinischen Zeit, in der die islamische Gemeinde gegen “die Polytheisten” kämpfte und in der es eine „akute Bedrohung der damals noch kleinen und schwachen muslimischen Gemeinde“ gegeben habe. Die Polytheisten waren insofern eine bestimmte Gruppe, gegen die man sich wehrte. Der Islam sei zwar keine pazifistische Religion, aber von einem generellen Aufruf zur – oder einer Verherrlichung von Gewalt könne keine Rede sein. Vielmehr werde Gewalt begrenzt und verregelt. Wer die letztgenannte Sure weiterliest, findet beispielsweise den Satz: “Wenn sie aufhören, so ist Gott voller Vergebung und barmherzig.” Der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide betont auch, dass “Barmherzigkeit” die im Koran meistgenannte Eigenschaft Gottes sei. In “dem Hitler sein ‚Mein Kampf‘” lässt sich  die Barmherzigkeit kaum finden.

Sure 15 Vers 85 fordert generell zur Nachsicht auf. Sure 16 Vers 125 sagt: „Rufe zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung, und streite mit ihnen in bester Weise.Dass Gewalt ein Mittel der Abschreckung sein solle, fordert Sure 8 Vers 60: „Und rüstet gegen sie auf, soviel ihr an Streitmacht und Schlachtrossen aufbieten könnt, damit ihr Allahs Feind und euren Feind – und andere außer ihnen, die ihr nicht kennt – abschreckt.“. Sure 22 Vers 39 besagt: „Die Erlaubnis (sich zu verteidigen) ist denen gegeben, die bekämpft werden, weil ihnen Unrecht geschah.“. Sure 5 Vers 8 ermahnt: „Lasst nicht durch den Hass anderer euch zu Ungerechtigkeit verführen. Seid gerecht, das ist näher der Gottesfurcht.“. Immer wieder wird auch Sure 8 Vers 61 zitiert: „Und wenn sie jedoch zum Frieden geneigt sind, so sei auch du ihm geneigt und vertraue auf Allah.“ Sure 2 Vers 256 lehnt Zwang als Mittel der Bekehrung ab.

Das Surenpingpong und der Streit um Kontext und die richtige Übersetzung der jeweiligen Suren sind damit aber sicher nicht beigelegt. Auch die Bedeutung und Deutung der anderen islamischen Schriften bedarf einer langen Diskussion. Was aber klar ist: Der Islam ist keine pazifistische Religion. Aber muss er das sein? Ein Recht auf Selbstverteidigung kann Menschen zugestanden werden. Der „Rest“ ist nicht eindeutig.

 

 

Eingebildete Eindeutigkeit

Die Behauptung “der Islam” sei eine Ideologie, die Gewalt fordert und verherrlicht, ist eine Interpretation, kein Fakt. Hamed Abdel-Samad argumentiert, dass die Suren, die zur Zurückhaltung und Friedfertigkeit auffordern, die in der Mehrzahl zur Anfangszeit des Islam in Mekka entstanden sind, nur deswegen so konziliant seien, weil der Prophet Muhammad damals gar nicht die Möglichkeit gehabt habe , Gewalt und Herrschaft auszuüben. Das ist möglich. Mindestens genau so plausibel ist aber die Selbstverteidigungsthese. Wer sich ehrlich auf diese Diskussion einlässt, muss die feurigen Gewissheiten fahren lassen. Bezeichnend ist auch , dass es verschiedene islamische Herrscher und Denker für nötig befanden, das Prinzip der „ Abrogation “ einzuführen: Die gewaltbefürwortenden Aussagen der medinischen Zeit würden laut dieser Interpretation die Aussagen der konzilianteren mekkanischen Zeit überschreiben. Man legte sich damit eine Ideologie zurecht, mit deren Hilfe Eroberungszüge gerechtfertigt werden konnten. Ein typisches Phänomen der Macht. Der islamische Theologe Mahmud Taha, argumentierte dagegen , dass die Suren der mekkanischen Periode die eigentlich bestimmenden seien, und leitet aus diesen einen emanzipatorischen, marxistisch inspirierten Ansatz ab  weswegen er wohl auch 1985 als Häretiker hingerichtet wurde. Die Islamwissenschaftlerin und Professorin der Freien Universität zu Berlin Gudrun Krämer spricht in ihrem Buch „Demokratie im Islam“ von einer „Fiktion der Evidenz“. Sowohl viele Islamkritiker wie radikale Islamisten teilten die irrige Vorstellung, dass die islamischen Texte keiner Interpretation bedürften, dass sie eindeutig seien. Das ist aber, wie gezeigt wurde, nicht wahr. Das Prinzip der Interpretation sei außerdem tief in der islamischen Tradition verwurzelt. Neben der kontextualisierenden Argumentationslinie, gebe es auch den „abstrahierenden Ansatz“. Dieser bemühe sich, den “Geist” der Offenbarung zu erfassen. Beispielsweise sei (auch wenn eifrige Islamkritiker wie Abdel-Samad das bestreiten) die Einführung der islamischen Regeln zu seiner Zeit höchstwahrscheinlich ein massiver Fortschritt für die Rechte der Frauen gewesen. Mindestens stellt es der Koran selbst so dar und sagt damit, dass es eine gute Sache ist, wenn Frauen nicht nur wie Gegenstände behandelt werden. Zu Recht lässt sich zwar sagen, dass diese Fortschrittlichkeit heute keine mehr sei, wer aber “dem Geist” des Islam folgt, könne laut Krämer wohlbegründet Prinzipien wie Gerechtigkeit, Gleichheit und Pluralismus aus den islamischen Schriften ableiten.

 

Präzise Kritik ist besser

So zeigt sich, dass die Behauptung, dass der Islam per se Gewalt gegen Andersdenkende fordert und verherrlicht, so nicht haltbar ist.

 

Kritisierenswert wäre dennoch so einiges. Beispielsweise, dass es überhaupt möglich ist, die Schrift gewaltverherrlichend und totalitär zu interpretieren. Aber das gilt wohl für die meisten Religionen und Denksysteme. Eindeutig problematisch ist die Vorstellung absoluter, von einer höheren Macht vermittelter Wahrheiten. Auch das ist aber nicht ein spezielles Problem des Islam. Eine eingehende Diskussion solcher Fragen muss gründlich und sachlich diskutiert werden, also nicht so, wie es in der westlichen Öffentlichkeit derzeit meist getan wird. Anstatt mit dem großen Besen zu kehren und damit so gut wie alle Muslime zu treffen, und sie damilt auszugrenzen, um sogleich sich darüber zu beschweren, dass zu wenig Bereitschaft zur Integration herrscht, sollten ganz bestimmte Probleme angesprochen werden: Politischer Islam ist immer abzulehnen. Saudi-Arabien gibt jährlich Milliarden aus, um den Wahhabismus, eine reaktionäre und autoritäre Interpretation des Islam in der Welt zu verbreiten. Auch die sich in den Vordergrund drängende türkisch-islamische Union „Ditib“ ist beileibe keine progressive, aber auch keine extremistische Kraft.

Es ist ein großes Problem, dass Islamkritiker oft nur die halbe Wahrheit kennen oder erzählen. Eine gesamte Gruppe zu marginalisieren und oft auch zu dämonisieren hilft nur den Extremisten und Dummköpfen aller Lager. 

Letztendlich entscheidend ist, wie die islamischen Schriften interpretiert werden. Dazu findet sich Vieles beim durchaus kritischen Professor Rauf Ceylan in seinem Buch „Die Prediger des Islam“. Darin stellt er fest, dass etwa drei Viertel der Imame in Deutschland eine konservative Lesart vermitteln, etwa 15 Prozent folgten einer progressiven Interpretation und eine kleine Gruppe müsse als fundamentalistisch verstanden werden.  Und genau diese Lesart ist ein Problem, und muss von den anderen Lesarten getrennt werden, was der „große Besen“ eben nicht tut.

In Deutschland halten allerdings 90 Prozent der hochreligiösen Muslime die Demokratie für eine gute Regierungsform.  In sehr vielen Fällen sind Muslime und deren Islam nicht die Feinde einer rechtsstaatlichen Vorstellung von Freiheit und Demokratie, sondern ihre Unterstützer, auch wenn sie oftmals konservativ eingestellt sind.  Die Konfliktlinie nur zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen zu ziehen, führt zu einer hochgefährlichen Gut-Böse-Dichotomie, die zu vermeiden ist. Denn sie führt in die Barbarei, anstatt sie abzuwehren.

 

 

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13 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein, Islam, Rassismus und Kulturrassismus

13 Antworten zu “Ist der Koran ein Buch  der Gewalt? (ungekürzt)

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  2. Franz Strasser

    Danke für das Schreiben. aber darf ich nachfragen, weil es heißt, dass die meisten nur die halbe Wahrheit kennen und erzählen: Was ist die ganze Wahrheit des Islam? Es kann doch nicht eine Sache der Hermeneutik sein! Herr HOUSSAM HAMADE können Sie mir in ein paar Sätzen schreiben, was ist die Wahrheit des Islam ausmachen soll? Was ist der Kern der Offenbarung?
    fr. strasser@eduhi.at Österreich

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    • Guten Tag. Das ist ein gute Frage. Ich behaupte auch nicht, die ganze Wahrheit zu kennen, auch wenn meine Aussage das impliziert. Ich verstehe, dass die sie reizt. Passend fand ich diese Redewendung, weil sehr viele Islamkritiker – nicht alle – nur einen Teil der Suren zitieren, während manche Verteidiger des Islam nur den anderen Teil zitieren.

      Das Argument, das ich in dem Text geführt habe, besagt schon, dass es „den“ Kern nicht gibt, sondern dass es auf die Auslegung ankommt. Die einen sehen es wörtlich und sind gezwungen zu abrogieren oder zu ignorieren, die anderen kontextualisieren oder abstrahieren. Die einen finden ein Buch des Friedens und der Barmherzigkeit, die anderen finden einen tönenden Teufel, der zu Mord und Totschlag auffordert.

      Ich hoffe, es ist in dem Text auch klar geworden, dass ich meine Probleme mit allen religiösen Schriften habe. Ich habe auch spezifische Probleme mit den islamischen. Leider wird der Islam derzeit in meinen Augen massiv dämonisiert. Insofern war der Artikel ein Versuch, das Problem sachlich zu besprechen, das heißt: weder beschönigen noch verteufeln.

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    • @ Franz Strasser:

      Wenn ich im Koran lese, habe ich den Eindruck, dass es in den chronologisch frühen Suren aus Mekka — neben den vielen Wiederholungen und der Beschreibung der Großartigkeit des islamischen Gottes Allah — eine Menge (ethisch-moralischer) Allgemeinplätze gibt, in die man — vergleichbar mit den Charakterbeschreibungen in Horoskopen — hineininterpretieren kann, was einem beliebt: Es passt immer.
      Allerdings finden sich in diesen frühen Suren auch so manche Widersprüchlichkeiten.

      Konkreter wird es in den chronologisch späten Suren aus Medina. Aber auch dort findet man Widersprüchlichkeiten (lesen Sie nur mal z.B. Sure 5 Verse 32 und 33).

      Insgesamt habe ich den Eindruck, dass der Koran, auch wenn man ihn chronologisch liest, also mit Sure 96 anfängt und bei den Suren 9 und 5 aufhört — und damit auch (der) Islam — ein wirres und unausgegorenes Ding ist, oder ein großes Ad-Libitum, erfunden und verfasst von jemandem, bei dem ich eine gewisse Ähnlichkeit mit dem derzeitigen US-Präsidenten erkenne.

      Eckhardt Kiwitt, Freising

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  3. Erwin Staub

    Es ist jeder Person überlassen – wie im Spielcasino – seine Seele und sein Leben auf eine Zahl, bzw. auf eine höchst irrationale – weil keine Belege vorliegen und von der Wissenschaft widerlegte Religion zu setzten. Dies in der Hoffnung, dass er am Ende seines Lebens auf die richtige Zahl/Religion gesetzt hat. Die Seele wird mit einer Chance 1:10’000 auf eine INDOKTRINIERTE RELIGION aus der KINDHEIT (aus dem jeweiligen Kulturhintergrund heraus) gesetzt! Nur selten wechselt ein Gläubiger die einmal aufgepfropfte kindliche Religion Auf welche Zahl müsste man nun setzen? Auf den Islam, Christentum, Zeugen Jehovas, Hindu, Judentum, Buddhismus, oder eine der übrigen Glaubensrichtungen. Alle beanspruchen, Recht zu haben und in den Himmel zu kommen – früher gegen teures Ablassgeld und heute mit einer Beichte und aus einer gewissen Hoffnung heraus!? Welchem Seelenkäufer soll man trauen? Faites vos jeux…. Die eigene Seele, das eigene Leben?… Aus Mut oder aus Dummheit? Ist es nicht langsam an der Zeit, dass wir den Religionen ihre heutige Bedeutung nehmen? Wir nehmen TOTAL falsche Rücksichten auf ALLE Religionen, SEIT 2000 Jahren komplette FAKE NEWS! Wäre es nicht vorteilhafter, man glaubte selbstbewusst an seinen eigenen Verstand?

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    • Franz Strasser

      S. g. Herr Erwin Staub, mag sein, dass Sie vielleicht von irgendwoher schlechte Erfahrungen gemacht haben mit „Religionen“, doch verstehe ich darunter nicht irgendeine traditierte, kulturelle Erscheinung, sondern die notwendige Transzendenz, die der Mensch zur Legitimation seines ganzen Rechtssystems und seiner Sinnfindung braucht. Nun könnte dieses Bedürfnis wieder abgetan werden als kindische, ödipale oder sonst wie psychoanalytische Projektionsform, aber so meine ich es nicht, sondern notwendig appelliert der Mensch an das Sittengesetz, das von höchster Instanz her bestätigt werden soll. (Die Sache mit Wissenschaft und Verstand zieht überhaupt nicht, denn keine Wissenschaft kann sich selbst begründen und jede Axiomatik krankt an einer willkürlichen Festlegung ….. wissenschaftstheoretisch kann der Transzendenzgedanke nie widerlegt werden; aber das wäre ein anderes Thema.) Nun kenne ich ein wenig das Christentum, dort ist es mit der Transzendenzverwaltung nochmals anders, denn die christliche Offenbarung übertrifft alle anderen Religionen als Ersatz für das Sittengesetz, übersteigt alle Scheinheiligkeit der menschlichen Moral, denn es bringt eine alles übersteigende Vergebung, eine Sinnidee, die absolut notwendig ist, wollen wir des Menschen Not und Kummer und der Menschen Sünde und der Menschen Leid noch irgendwie ernst nehmen. Beim Islam finde ich diese Wahrheit nicht – deshalb fragte ich, was ist der Kern des Islams. Natürlich gibt es ein paar sinnvolle Gedanken darin – aber das ist keine Offenbarung. Solange nicht eine vernunftkritische Aufklärung im Islam stattfindet, und generell in allen Religionen, versinken wir in noch tiefere Dunkelheit als wir schon sind. Die Wissenschaft selber ist keine Offenbarung, eh klar.
      Franz Strasser 15. 7.

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  4. Staub

    Das Elend der Religionen ist die Vielzahl der Götter in Verbindung mit der kindischen Rechthaberei, nur man selbst habe die wahre Religion, die wahre Offenbarung! Religiöser Glaube ist die persönliche Übernahme und Einwilligung in ein meist traditionelles System von Fremdbestimmung. Statt selbst zu leben, übernimmt der Gläubige ein Modell des Lebens und ordnet sich diesem unter. Da jeder religiöse Glaube letztlich auf Phantasie und Wahnvorstellungen beruht, hat der religiöse Glaube zumindest eine tendenzielle Neigung zu neurotischen und pathologischen Kategorien. Wer nichts weiss, muss alles glauben! Wenn Religionen vom Glauben sprechen, bedeutet das eigentlich eine Bankrotterklärung, denn die Aufforderung zu glauben ist das Eingeständnis, nichts Greifbares vorweisen zu können. Und wenn jetzt jemand bibel- oder korangläubig ist, müsste diese Person mich auch noch zu Tode bringen, weil ich vom Glauben abgefallen bin (5. Buch Moses, 13). Über diese beispielhafte biblische Unsinn-Vorgabe erübrigt sich jedes Wort. Noch nie ist je eine Menschrechtsorganisation gegen diese Todesaufforderungen vorgegangen (unheilige Allianzen!). Das ist doch ein ungeahndeter, veritabler SKANDAL (wie die islamische Aufforderung an die Selbstmordattentäter mit den 72 Jungfrauen)! Der Koran und die Bibel sind schlimmer als der indexierte «Mein Kampf» von Hitler und müsste doch juristisch schon lange geahndet werden! Wer sähet hier mehr Hass? ES IST EIN GROBES MISSVERSTÄNDNIS, DASS DIE VERNUNFT GEGENÜBER GLAUBENSWAHRHEITEN TOLERANT SEIN MUSS! Rücksichtsnahmen auf irgendwelche Religionsvorschriften- und Ansichten sind eindeutig verfehlt! Mit dieser Aussage steht man in Konfrontation zur EU.

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    • Franz Strasser

      S. g. Herr Erich Staub, ich fasse das Schreiben eh nicht an mich persönlich auf, aber genauso direkt, wie Sie negativ diesen Irrglauben der Religion sehen, und dass alles Phantasie und Wahnvorstellungen ist, dass Religion, zumindest die islamische, sogar die Todesstrafe vorschreibt…….. da stimme ich sogar vorbehaltlos zu, insofern gerade diese Voraussetzungen zutreffen sollten. Aber treffen sie z. B. für den biblischen Glauben zu? Mich schmerzt, wenn Koran (großteils ein schwaches Plagiat) und Bibel gleich gestellt werden? Wenn die jüdische und christliche Religion als blinder Glaube hingestellt werden.
      Von wo kommen denn die Menschenrechte? Vom Berg Sinai allemal – da können sie noch so oft verballhornt und missachtet worden sein: Indem das Volk Israel mit Gott einen Bund einging, entzog sie allen irdischen Machthabern die Rechtsgrundlage (so ähnlich Spinoza): Indem der Gott-Mensch J. Chr. die bedingungslose Vergebung verkündete und lebte (was von Mohammed ja nicht gesagt werden kann), wurde allen Menschen Würde und Ansehen geschenkt – und es begann erst zaghaft die Aufwertung jedes Menschen zu wachsen. Sie wollen doch nicht sagen, dass die heutige Rechtslage in ihrer säkularen Form ohne Transzendenz auskommen kann? Mit welchem Recht nehmen sich z. B. jetzt wieder die Chinesen (d. h. die Kommunisten und Atheisten der Regierung) das Recht heraus, dass wir uns beim Tod eines Menschenrechtsaktivisten nicht einmischen dürfen……. Die meisten Opfer des 20. Jhd. waren Opfer der atheistischen Regime, nicht der Religionen. Natürlich ist die islamische Ideologie, wie kurz angedeutet, abzulehnen.
      Gruß, Franz Strasser

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      • Staub

        Das geschichtliche Versagen Jahwes: Es ist ihm nicht gelungen, das karge Land Israel in blühende und fruchtbare Landschaften zu verwandeln. Das Gebiet des späteren Israel war vor seiner Ankunft und auch danach ein Land, das vor allem durch Kargheit und ungünstige klimatische Verhältnisse gekennzeichnet war. Er hat die Wüsten nicht begrünen und die Dürren, die das Land immer wieder heimsuchten, nicht verhindern können. Israel wurde, entgegen der b i b l i s c h e n P r o p a g a n d a, nie ein Land, wo „Milch und Honig fliessen“
        Noch vernichtender ist das Ergebnis des Kriegsgottes Jahwe. Trotz grossspuriger Reden und peinlichem Machtgehabe im AT hat er sein Volk nicht beschützt, hat es nicht stark gemacht, hat ihm nie über seine kleine Bedeutung im Gegenüber der Grossmächte Ägypten und Babylonien hinweggeholfen. Die Götter Mesopotamiens und Ägyptens waren immer erfolgreicher als dieser Provinzgott Jahwe, der im kleinen und unbedeutenden Palästina, einem Herrgottswinkel, versucht hat, seine Alleingeltung durchzusetzen. Er hat seinem Volk nicht geholfen gegen die übermächtigen Assyrer, Babylonier, Perser, Griechen und Römer zu bestehen. Er hat der politischen Bedeutungslosigkeit Israels tatenlos zugesehen, der Besetzung des doch angeblich von ihm verheissenen Landes nichts entgegengesetzt, den Befreiungsversuchen seiner Gläubigen in den Aufständen gegen die Römer nicht beigestanden, die Zerstreuung seines Volkes nicht verhindert, ihrer Verfolgung tatenlos zugesehen. Nach 3000 Jahren der Geschichte Jahwes mit seinem Volk muss es erlaubt sein, das Fazit zu ziehen, dass dieser Gott auf ganzer Linie versagt hat. Dieser Gott hat sich so für sein Volk eingesetzt, als hätte es ihn nie gegeben, als hätte ihn sich sein Volk nur eingebildet!
        Jesus selbst hat nichts Schriftliches hinterlassen. Warum gibt es nicht eine einzige Zeile von diesem Jesus selbst, warum kommt die Offenbarung, sofern sie denn eine war, nur aus z w e i t e r und d r i t t e r Hand mit einer beachtlichen, zeitlichen Verzögerung? Jesus präsentiert sich hier im Rückblick als GROSSMAULIGER VERSAGER!

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      • Franz Strasser

        Falls hier jemand schreibt, der in einem literarischen Stück, so einer Art Drama, die Rolle eines „advocatus diaboli“ einnimmt, vor allem die Aussagen zum AT (=Ersten Testament), würde ich dieses Text sogar akzeptieren. Es käme auch evtl. noch in Frage, dass hier jemand spricht, der persönlich so schwere, schicksalhafte Erfahrungen mit dem Glauben gemacht hat, dass er aus Verzweiflung so schreiben muss – dann wäre es psychologisch zu erklären.
        Wenn es aber eine sachliche Feststellung sein soll, was ich hier eher annehme, denn ein wahrhaft glaubender Mensch kann nicht solche Erfahrungen machen – ist es bloße Rhetorik und Schmarrn. Die Aussagen zu J. Chr. kommentiere ich überhaupt nicht.
        Die Hermeneutik zur Bibel stimmt mit keinem Wort: Natürlich ist mit dem Hl. Land nicht ein irdisches Land gemeint – das möchten ja die Fundamentalisten so hören, aber das akzeptiere ich nicht, weder bei fundamentalistischen Juden, noch bei fundamentalistischen Moslems und Christen – das „Hl. Land“, so müssen wohl die Propheten und alle Texte gelesen werden, ist immer nur in eine unendliche Zukunft weisend, ist immer nur geistlich zu verstehen. Das Hl. Land jetzt geographisch im Nahen Osten gemeint, das war noch nie frei – und ist es bis heute nicht. JESUS ließ sich nicht auf diese Husser hinüberziehen, er starb für ein anderes „Land“. Weil heute gerade die 16 Karmelitinnen im Kalender stehen, die im Namen der französ. Revolution und im Namen der Vernunft auf dem Schafott hingerichtet wurden – 16 harmlose Frauen – sollen sie für die Revolution gestorben sein? Das wäre etwas peinlich und ein zynischer Frevel ihnen gegenüber. Wenn ich z. B. dieses Lebenszeugnis annehme, darf ich nicht so rotzig wie oben schreiben.
        fr.strasser@eduhi.at

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  5. petraosinski

    Obwohl der Cicero-Artikel ja dazu einlädt, habe ich als Nicht-Muslimin weder Lust noch Anlass, mich auf eine Exegese des Korans einzulassen. Deshalb hier nur dies: Die Fragestellung „Ist der Koran ein Buch der Gewalt?“ ist für mich irrelevant. Für allein relevant halte ich die Frage: „Ist der Islam eine Religion der Gewalt?“ Und um dies zu beantworten, müsste nicht nur der Koran sondern besonders auch die Persönlichkeit und das Verhalten des Religionsstifters sowie die frühe Entstehungsgeschichte des Islams zusammen mit noch heute aus dem Koran und der Schariah hergleiteten Rechtfertigungen von Gewaltausübung, z.B zur „Verteidigung“ des Islams wie auch die islamischen Vorbehalte zu ansonsten universell anerkannten Menschenrechten, wie z.B. der Ächtung der Todesstrafe herangezogen werden. Im Übrigen sehe ich, dass das österreichische Islamgesetz von 2015 eine hinreichende Grundlage für ein friedliches Zusammenleben mit den auf ein solches Gesetz verpflichteten islamischen Religionsgemeinschaften bietet–und allein hierauf käme es mir auch in Deutschland an.

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    • Um eine Antwort auf die Frage „Ist der Koran ein Buch der Gewalt?“ zu finden, reicht es evtl. bereits, sich die (heutigen) Gegebenheiten dort anzuschauen, wo islamische Gesetze gelten (innerhalb wie auch außerhalb islamischer Staaten). Diese Gesetze sind meist aus dem Koran hergeleitet oder unmittelbar darin zu finden. Eine Koran-Exegese erübrigt sich bei der Betrachtung dieser Gegebenheiten.

      Mit einer Ächtung der islamrechtlichen Todesstrafe bei Apostasie wäre ich nicht zufrieden.
      Sie gehört abgeschafft.
      Denn allein mit der Androhung dieser Todesstrafe sind Muslime zu Geiseln ihrer Religion genommen — ganz abgesehen davon, dass (der) Islam damit eine mangelnde ethisch-moralische Überzeugungskraft offenbart.

      Eckhardt Kiwitt, Freising

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  6. Pingback: Der Islam und seine Agressionsprobleme? Die Gelehrten streiten sich – Serdargunes' Blog

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