Monatsarchiv: April 2015

Der Kampf ums Sagbare

(Der Artikel ist inzwischen im Migazin erschienen. http://www.migazin.de/2015/02/11/sprechtabus-der-kampf-ums-sagbare)

– Schleichende Enttabuisierung als rechte Strategie im Kampf ums nationale Erwachen

„Thilo Sarrazin030709“ von Nina Gerlach Nina - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Thilo_Sarrazin030709.jpg#/media/File:Thilo_Sarrazin030709.jpg

Foto: Wikipedia

Rassistische Ideen und ihre Freunde gibt es schon lange. Was macht dann die Pegida-Demonstrationen so besonders? Es ist kaum anzunehmen, dass es heute viel mehr Rassistinnen und Rassisten gibt. Seit Jahren belegen die „Mitte-Studien“, bei denen rechtsextreme Einstellungen in Deutschland gemessen werden, fast durchgehend das Gleiche: Rund ein Viertel aller Deutschen glauben, dass Deutschland durch Ausländer in gefährlichem Maß überfremdet ist (1).
Der Unterschied ist der: In früheren Jahren traute sich nur ein relativ harter Kern, öffentlich seinen Rassismus zu zeigen. Weiterlesen

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Anleitung zur sexuellen Unterwerfung (Teil I)

-> Lektion 1: Freiwilligkeit. Warum paradoxerweise Freiwilligkeit und Vertrauen das Fundament des Spiels mit sexueller Unterwerfung sind.

Bild: Wikimedia Commons

Bild: Wikimedia Commons

Neulich plante ein berühmt-berüchtigter „Pick-up Artist“, nach Berlin zu kommen, um Männern Techniken beizubringen, mit denen sie Frauen willig machen könnten. „The Claw“, heißt eine dieser Techniken, bei der das jeweilige „Objekt“ mit dem Arm umschlungen, an den Mann herangezogen und erst wieder losgelassen wird, wenn sie sich nicht mehr wehrt.
So zu handeln ist aus drei Gründen falsch: Zum einen ist es verachtenswert. Zum anderen riskiert der jeweilige Mann schwer verletzt zu werden, denn die (legitime) Reaktion der jeweiligen Frau kann sein, aggressiv Schwachstellen wie Augen, Hoden oder Finger anzugreifen und zu verletzen.
Der dritte und zentrale Denkfehler ist die Vorstellung, dass es der Herzenswunsch aller Frauen sei, unterworfen zu werden (1). Weiterlesen

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Kondensstreifen des Todes

(Das Stück wurde ursprünglich für die Vice geschrieben. Die dazugehörigen Fotos fehlen vorerst)

Die „Kondkondensstreifenensstreifen“, die von Flugzeugen in der Luft hinterlassen werden, sind absichtlich angereichert mit hochgefährlichen Chemikalien. Das behaupten zumindest einige Leute, die am Samstag in Berlin eine Kundgebung abgehalten haben. Über die Gründe sind sie sich uneins. Manche sprechen von militärischen Zwecken, andere von Geoengineering, wieder andere von Bevölkerungsreduktion. Das Umweltbundesamt nennt diese Vorwürfe „reine Fiktion“. Auch von „Verschwörungstheorien“ wird gesprochen. Aber das kenne ich schon aus „Akte X“: Weiterlesen

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Antisemitismus ohne Juden

Montagsmahnwachenorganisator Lars Mährholz meinte neulich: Woran liegen alle Kriege in der Geschichte in den letzten 100 Jahren? Und was ist die Ursache von allem? Und wenn man das halt alles ‘n bisschen auseinander klamüsert und guckt genau hin, dann erkennt man im Endeffekt, dass die amerikanische Federal Reserve, die amerikanische Notenbank – das ist eine Privatbank, dass sie seit über hundert Jahren die Fäden krakeauf diesem Planeten zieht”. Weiterlesen

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Kant buy me Love

kant67na259wk85gosblar3fTipp für die Jugend: Immer etwas von Kant dabei haben. Ideal sind dabei die signalgelben Reclamhefte. Sie fallen auf, signalisieren dennoch die edle Lust am Denken, ganz ohne die Angeberei, die mit schweren, raumgreifenden Wälzern verbunden ist. In der Bahn erntet man bewundernde Blicke, wenn man so tut, als würde man darin lesen. Beachte: Die Augenbrauen dabei genervt zusammen ziehen, als würde man mit dem Herrn Kant ganz und gar nicht übereinstimmen. Nicht vergessen, die Augen dabei schnell hin und her zu bewegen. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Geschichten, Liebe, Macht

Medea

(angelehnt an das antike Drama „Medea“)

Bild: Wikimedia Commons

Bild: Wikimedia Commons

„Er ist mir egal!“ Medea blickte mit weit aufgerissenen Augen ins Leere. Ohne dass sie ihre Lieder schloss, trat ein eine einzelne Träne hervor, kullerte langsam an ihren schrecklich dunklen Augenringen vorbei. Dann verfing sie sich in einer Falte, die wie mit dem Bügeleisen an der Nase vorbei gezogen schien. Julia, die Medea kerzengerade, mit eng an den Körper gepresst Armen gegenübersaß, starrte auf diese Träne und die Bügelfalte. Mit saurem Magen grub sie in einer tiefen, dunklen Kiste voller Medea-Erinnerungen, wann diese Falte entstanden war.

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Eingeordnet unter Geschichten, Liebe

Düsenjäger im Trickster

duesenjaeger-0f9d429d-bb05-4dd6-8765-98f226ec4531Diesen Samstag spielten zwei Bands im Trickster1. Die erste hieß Kunstkacke, und machte ihrem Namen große Ehre. Ihr wisst ja alle, was Kunstkacke ist. Das ist, wenn Leute disharmonisch und unrhythmisch kopflastigeTöne und Klänge machen, die niemanden wirklich berühren. Was ich schade fand war, dass die Zuschauenden ein bisschen ehrfürchtig auf einen emotional-elektrischen Stromschlag warteten. Das wäre aber nach meiner Defintion keine Kunstkacke mehr, sondern emotionale Kunst. Kunstkacke muss Spaß machen. Man darf zum Beispiel Dinge hineinrufen, wie „Ja, Mann!“, oder „BraVO!“. Bei „BraVO!“ muss die letzte Silbe betont werden, sonst ist es keine Kunstkacke. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Geschichten, Was wir tun können

Elendsblicke

220px-Hasenheide-Moschee-18780030-a-Mario_DuhanicErst zog ich meine verschwitzte Turnhose aus. Dann die Unterhose. Nackt legte ich mich auf die Nacktenwiese des Volksparks Friedrichshain. Die Sonne strahlte warm auf meine Genitalien. Ich war froh, dass nur vereinzelt Leute herumlagen. Ich roch sicher bestialisch nach Schweiß. Gerade hatte ich mein tägliches Dreistundentraining absolviert: Meine derzeitige Methode, mit der Sehnsucht nach Sex klar zu kommen.
Seit 14 Monaten hatte ich keinen Sex mehr gehabt. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Geschichten, Macht, Sex

Der Superhetero

– Warum Machismus pervertierte Homosexualität ist, und nicht umgekehrt

Washington_Monument_Dusk_Jan_2006Wie ein wilder Stier vögelte er sie. Im Rhythmus des Testosteronrausches drängte seine Hüfte zwischen ihre Beine, seine Arschmuskeln, lang und prall, fühlten sich an, als könnten sie jeden Feind verdrängen und notfalls töten, als wäre so viel Kraft darin, dass er er sie bis in ihr Wesen hinein befruchten würde. Ihre Weichheit kontrastierte seine Männlichkeit. Sein Penis, groß und heiß und prächtig, bäumte sich in ihr auf und zeigte seine Macht. Er zwang ihre Beine nach oben, leckte an ihren Füßen, während er jeden geilen Muskel seines Körpers spürte, sein Schwanz im rechten Winkel zu seinen Bauchmuskeln, die Haare auf seinem Bauch brüllten von dominanter Männlichkeit.
Er ergoss sich in ihr wie eine Naturgewalt. Er war so geil!

Beim Rausgehen warf er ihr 40 Euro auf die Hochwasserjeans mit Glitzerzeug, die auf dem Plastikstuhl lagen. Weiterlesen

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Im Fallen

Seine Ohren platzten fast von dem Druck, der beim Fallen entstand. Aber das erste Entsetzen war vorbei, das seinen Körper steif wie ein Brett gemacht hatte, das ihn dazu gebrachte hatte, die Augen panisch und mit aller Kraft zusammenzukneifen, die Schultern dabei so hart wie Stein an die Ohren gepresst, die Arme vor sich ausgestreckt, als hätte er damit seine Landung abfangen können. Er fiel schon so lange. Weiterlesen

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