Monatsarchiv: März 2015

Liebe als Religion

– Die romantische Liebe ist tiefreligiös. Das macht sie so intensiv, aber auch so verderblich.

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Zumindest wenn wir verliebt sind, glauben wir gerne daran, dass zwei Menschen füreinander bestimmt sind. Aber könnten wir dann nicht gleich wieder an Kobolde im Wald glauben, die mit uns ihren Schabernack treiben? Müsste es, wenn man Vorbestimmung zu Ende denkt, nicht eine riesenhafte Organisation von Engeln oder Feen oder anderem unendlich freundlichem Gelichter geben, die sich verbünden und zusammenarbeiten, nur um uns zusammenzubringen? Eine weitere, wunderschöne romantische Idee ist die, dass man sich pränatal irgendwo im Himmel oder in den Sternen verabredet hat, um sich auf der Erde zu treffen um nun endlich Ganz zu werden. Auch Erlösungsvorstellungen sind stark verbreitet: „I thought you where the one to save me“ sang einmal Jim Croce. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Liebe

Mahnwachenkritik zwischen kuscheln und bashen

Der öffentliche Streit um die Montagsmahnwachen tobt derzeit so hart, dass er Facebookfreundschaften zerstört. Und es wird zu Recht gestritten: Die Wikipedia-Artikel zu strukturellem und sekundärem Antisemitismus sollten mit einem Bild des unter Mahnwachlern beliebten Dauerredners Ken Jebsen illustriert werden. Redner Andreas Popp, der ebenfalls standfest verteidigt wird, verbreitet das Bild eines biologisch gewachsenen Volkes, das verzweifelt ums Überleben kämpft, und Elsässer, der allerdings inzwischen als Sprecher ausgeschlossen wurde, vertritt rassistische und heterosexistische Ansichten. Das eigentliche Problem sind aber nicht die Redner, sondern die Zähigkeit, mit der sie auf Internetforen und auf der Straße verteidigt werden – Nicht die Einzelnen, die gefährlichen Unsinn reden, sondern die Vielen, die folgen. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Was wir tun können

Der „Weltspiegel“ als Zerrspiegel

Es gibt in Deutschland nicht viele Sendungen wie den „Weltspiegel“. Und darum haben sie eine besondere Verantwortung. Sie sind Fenster zur Welt. Gerade weil mit Fernsehbildern eine Illusion der Objektivität erzeugt wird, muss sweltspiegel logoorgfältig geprüft werden, ob die Darstellungsweise nicht ein verzerrtes Bild erzeugt. Leider bewegt sich der Weltspiegel auf dem Niveau eines durchschnittlichen Stammtisches:
An Stammtischen neigt man dazu über „die Chinesen“ (oder „die Amerikaner“ oder „die Araber“) zu reden als wären „sie“ aus einem Guss. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Rassismus und Kulturrassismus

Schwaben erwache

Langsam kann ich die Augen vor der schwäbischen Überfremdung hier in Berlin nicht mehr verschließen! Zwar bin ich selbst Schwabe, aber es wird einfach zu viel. Nicht nur, dass sie mit Halbglatze, schwarzer Rahmenbrille und Umhängetaschen in ihren hippen Cafes vor ihren Macbooks sitzen, während sie Latte Macciattos saufen und am Iphone gerade über irgendeinen „coolen, neuen Laden“ reden. Nicht nur verstopfen schwangere Schwäbinnen die Prenzlbergischen Straßen mit ihren Bio-Kinderwägen und prägen unsere Sprache mit dem Wort „Prenzlberg“, obwohl das das falsche Wort ist. Jetzt kommen auch schon ihre Kinder ins Jugendlichenalter und machen Ärger!
Am Schlimmsten ist es eben genau dort: im guten alten Arbeiterbezirk Prenzlauer Berg.
Dort, genauer gesagt in der Kastanienallee hatte ich ein Erlebnis, das mir endlich die Augen öffnete. Weiterlesen

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Eingeordnet unter Geschichten

„Das ist ja nicht so spannend hier“*

– Die Rosa-Luxemburg-Konferenz tut so, als wäre alles geklärt, und macht sich damit unglaubwürdig

Spartakisten mit stechendem Blick schauen dich an, als wollten sie fragen, auf welcher Seite du stehst. DKP‘ler drücken dir ein Flugblatt in die Hand und kratzen sich am Bart. Die Frau vom Junge Welt Stand zeigt Tiefe durch das gleichzeitige Tragen von Kapuzenpulli und Lippenstift. Bei der TAZ gibt’s Schokolade. Die Freidenker gucken klug. Nichts Neues im Westen: Der wilde Markt der linken Erlösungsversprechen bei der diesjährigen Rosa-Luxemburg-Konferenz in der Urania.
Wie jedes Jahr gibt es viele Vorträge, Stände und am Ende eine Podiumsdiskussion. Es ist voll. Im Hauptsaal spricht irgendein Vertrauer Castros zu laut ins Mikro, so dass Leute mit schlechten Nerven Kopfweh bekommen. Weiterlesen

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